{"id":695,"date":"2021-09-25T11:39:24","date_gmt":"2021-09-25T09:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/cordeliakoch.de\/?p=695"},"modified":"2021-09-25T12:10:35","modified_gmt":"2021-09-25T10:10:35","slug":"blumen-ohne-gift-im-pankower-norden-bringt-eine-slow-flower-farm-den-friedhof-zum-bluhen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cordeliakoch.de\/index.php\/2021\/09\/25\/blumen-ohne-gift-im-pankower-norden-bringt-eine-slow-flower-farm-den-friedhof-zum-bluhen\/","title":{"rendered":"Blumen ohne Gift: Im Pankower Norden bringt eine Slow-Flower-Farm den Friedhof zum Bl\u00fchen"},"content":{"rendered":"<p>Hinter der Kapelle auf dem Pankower Zionsfriedhof bl\u00fchen riesige Dalien in Rot- und Gelbt\u00f6nen. Hier, hoch im Pakower Norden, bestellen die Blumenfarmer*innen Imke und Reuben Glaser ihren Acker. Sonnenblumen s\u00e4umen den Zaun zum noch genutzten Teil des Friedhofs. Auf einigen Parzellen sieht es etwas krautig aus, andere Parzellen liegen brach und sind mit Stroh bedeckt. Imke Glaser bleibt vor einer Wildblumenwiese stehen. \u201eDas ist Gr\u00fcnd\u00fcnger\u201c, erl\u00e4utert sie, \u201eund f\u00fcr unsere Bienen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Das Paar hat die Slow Flower Bewegung mitgegr\u00fcndet, die sich einem nachhaltigen, regionalen, pestizidfreiem Schnittblumenanbau verschrieben hat. Gut 120 Farmerinnen und Farmer haben sich seit 2019 der Bewegung in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz angeschlossen. In Berlin gibt es bisher nur zwei Betriebe.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-699 alignleft\" src=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower4-400x300.jpg\" alt=\"sdr\" width=\"605\" height=\"454\" srcset=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower4-400x300.jpg 400w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower4-768x576.jpg 768w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower4-800x600.jpg 800w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower4-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/>\n<p>Ihr Anliegen ist \u00fcberf\u00e4llig. Die Deutschen lieben Blumen, aber nur wenige wissen, welches Gift sie sich dabei wom\u00f6glich auf den Wohnzimmertisch stellen. Deutschland ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Importeur von Schnittblumen weltweit \u2013 mit einem Handelsvolumen von 1 Milliarde Euro im Jahr 2020. Die meisten davon kommen aus den Niederlanden. Aber ein guter Teil stammt aus Lateinamerika und Afrika.<\/p>\n<p>Gerade bei Blumen aus Entwicklungsl\u00e4ndern sei der Einsatz von Pestiziden enorm, warnen Umweltverb\u00e4nde seit Jahrzehnten. Der BUND untersuchte im Jahr 2012 Rosen in Superm\u00e4rkten und fand R\u00fcckst\u00e4nde von bis zu acht verschiedenen Pestiziden pro Rose, einige davon hoch krebserregend. Getan hat sich seitdem nichts. Blumen sind keine Lebensmittel. Die Inhaltsstoffe unterliegen keinen Kontrollen. In den L\u00e4ndern selber sind die Arbeiter*innen den Giften oft schutzlos ausgeliefert. Das ist in den Niederlanden zwar anders, aber auch dort fand Greenpeace Gift in Schnittblumen, das vor allem f\u00fcr Bienen t\u00f6<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-701 alignright\" src=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-400x261.jpg\" alt=\"Slow Flower\" width=\"604\" height=\"394\" srcset=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-400x261.jpg 400w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-768x501.jpg 768w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-800x522.jpg 800w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-150x98.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/>dlich ist. Daher warnen die Verb\u00e4nde: Herk\u00f6mmliche Str\u00e4u\u00dfe sind so giftig, dass sie im Hausm\u00fcll entsorgt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auf der Mayda Blumenfarm bei Imke Glaser k\u00f6nnte man die Blumen hingegen bedenkenlos essen, zumindest die essbaren wie die bienenumschwirrten Ringelblumen. Ihr einj\u00e4hriger Sohn l\u00e4uft wackelig zwischen den Beeten umher, w\u00e4hrend sie der Pankower Spitzenkandidatin der Gr\u00fcnen Cordelia Koch und dem Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar ihren Betrieb erl\u00e4utert. Das erste Jahr haben ihr Mann und sie den Boden aufgebessert, damit \u00fcberhaupt verkaufsf\u00e4hige Schnittblumen wachsen k\u00f6nnen. Das was wie Stroh auf einigen Parzellen aussieht, ist der Rest von Winterwicken, Winterroggen und Ikarnat-Klee, die den Boden d\u00fcngen. Dadrunter schlummern zweij\u00e4hrige Jungpflanzen. In einer schattigen Ecke hinter der Kapelle k\u00e4mpft eine mit Mehltau befallene K\u00fcrbisspflanze ums \u00dcberleben. \u201eBei diesem Beet m\u00fcssen wir noch experimentieren. Es ist zu schattig f\u00fcr die meisten Blumen und war diesen Sommer sehr feucht,\u201c erl\u00e4utert Imke Glaser.<\/p>\n<p>Experimentieren m\u00fcssen die beiden Farmer*innen viel. Imke Glaser hat sich schon lange f\u00fcr Gartenbau interessiert und auch einige Seminare belegt, aber dabei wenig zu \u00f6kologische Schnittblumen gefunden. Darum sieht sie sich als Autodidaktin. Als sie Gartenbauschulen besuchte, wusste sie, dass sie anders Blumen anbauen wollte. Sie suchte nach einem Acker in Brandenburg, dann las sie zuf\u00e4llig vom Berliner Friedhofentwicklungsplan und wandte sich an den evangelischen Friedhofsverband.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-702 alignleft\" src=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-5-400x300.jpg\" alt=\"sdr\" width=\"427\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-5-400x300.jpg 400w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-5-768x576.jpg 768w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-5-800x600.jpg 800w, http:\/\/cordeliakoch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Slow-Flower-5-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/>\n<p>\u201eSolche Nutzungen sind der Idealfall,\u201c findet Cordelia Koch. Sie wei\u00df: Viele Friedh\u00f6fe verwildern. Der Bedarf an Friedhofsfl\u00e4chen hat sich seit 1980 halbiert. Dazu tragen der Anstieg der Lebenserwartung, sowie die Zunahme von Feuerbestattungen und Gemeinschaftsgr\u00e4bern bei. Die Eigent\u00fcmer k\u00f6nnen bei sinkenden Einnahmen, die Pflege nicht mehr sicherstellen. Der 2006 vom Senat beschlossen Friedhofsentwicklungsplan hat zum Ziel, dass neue Nutzungen die \u00f6kologische Vernetzung von Gr\u00fcn- und Landschaftr\u00e4umen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Bisher mieten die Glasers 1200 Quadratmeter auf dem Zionskirchhof. \u201eDas ist f\u00fcr uns momentan eine optimale Gr\u00f6\u00dfe,\u201c sagt sie. \u201eMehr kann man am Anfang fast nicht schaffen. Aber perspektivisch w\u00fcrden wir gern einen halben Hektar (5000 qm) bewirtschaften, um mehr ausprobieren zu k\u00f6nnen.\u201c Stefan Gelbhaar und Cordelia Koch regen an, Schulungen zu erm\u00f6glichen, Freiwillige k\u00f6nnten ein \u00f6kologisches Jahr absolvieren.<\/p>\n<p>Der Verkauf der Blumen l\u00e4uft gut an. \u201eWir setzen auf Direktvertrieb,\u201c sagt Imke Glaser. Sie nimmt 15 bis 25 Euro f\u00fcr einen Strau\u00df. F\u00fcr einen pr\u00e4chtigen Strau\u00df ein Schn\u00e4ppchen, aber f\u00fcr die Gro\u00dfm\u00e4rkte zu teuer \u2013 jedenfalls solange die Verbraucher*innen den Wert \u00f6kologischer Schnittblumen nicht anerkennen. Bisher konnten sie den Bioladen Biogoods in der Kastanienallee und den Kinderladen Mjot in Kreuzberg als zuverl\u00e4ssige Abnehmer gewinnen. Jeden Donnerstag \u00f6ffnen sie ihre Farm f\u00fcr Selbstabholer. Nach Terminabsprache kann man sich seinen Strau\u00df auch selber pfl\u00fccken. \u201eWir bekommen viel Zuspruch,\u201c erz\u00e4hlt Imke Glaser. \u201eManchmal kommen auch Nachbarn, die uns einfach nur beim J\u00e4ten helfen wollen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Mayda Blumenfarm auf dem Zionsfriedhof<\/strong>, Dietzgenstr. 158, 13158 Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter der Kapelle auf dem Pankower Zionsfriedhof bl\u00fchen riesige Dalien in Rot- und Gelbt\u00f6nen. 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