
Cordelia Koch, Bürgermeisterin von Pankow
Großstadt braucht Rückhalt
Infrastruktur sichern. Zusammenhalt stärken. Zukunft bauen.
Pankow ist Großstadt. Und Pankow wächst. Dabei fragen sich viele Menschen: Bleibt unsere Stadt lebenswert? Und funktioniert sie auch in Krisenfällen? Ich bin Bürgermeisterin von Pankow. Mein Auftrag ist, diese Großstadt zusammenzuhalten und in die Zukunft zu führen. Ich sage: Ja, sie bleibt lebenswert. Wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen.

Prenzlauer Berg, Buch, Blankenfelde… – kein Berliner Bezirk ist so vielfältig wie Pankow. Genauso leite ich den Bezirk. Damit jeder Ortsteil gewinnt. Jeder Ortsteil hat eigene Bedürfnisse. Im Norden steht der öffentliche Nahverkehr im Fokus. Es gibt nicht genügend Bibliotheken und Sportplätze. Im Norden, Osten und Westen fehlen kulturelle Angebote. Im Süden geht es um Erhalt der gewachsenen Struktur, Wohnen, Geschäfte, Kultur. Außerdem um mehr Grün etwa durch Entsiegelung. Dafür muss Pankow vom Senat finanziell besser ausgestattet werden, um seine Funktion als Großstadt erfüllen zu können.
Die Menschen erwarten zu recht eine Verwaltung, die in der Krise funktioniert. Und im Alltag erst recht. Sie muss die Probleme der Menschen lösen.
Was die Menschen in Pankow bewegt
Die Basis muss stimmen, der Alltag muss funktionieren.
Die Verwaltung gestaltet unser Pankow von morgen – und als Bürgermeisterin treibe ich diesen Anspruch jeden Tag voran. Dabei erlebe ich täglich, wir wichtig den Kolleginnen und Kollegen im Bezirksamt Pankow gute Ergebnisse sind. Ein guter Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ein Dankeschön, das sich in Zufriedenheit und Entspannung äußert.
Die Erwartungen an die Verwaltung sind klar: Eltern möchten, dass ihre Kinder in Pankow zur Schule gehen können, statt in andere Bezirke pendeln zu müssen. Die Menschen erwarten sichere Wege – doch mancherorts fehlen in unserem Bezirk noch ganze Gehsteige. Wir haben viel nachzuholen, und das bei knappen Kassen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Verwaltung in den kommenden Jahren eine ganze Generation Fachkräfte fehlt – eine Spätfolge des Sparzwangs der 1990er-Jahre, in denen kaum eingestellt wurde.
Die Herausforderungen meistern wir nur, wenn wir Schritt für Schritt die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erhöhen, zur Zufriedenheit aller, auch der Mitarbeitenden. Denn: Die Verwaltung ist das Gesicht der Demokratie: An ihr misst sich, wie verlässlich unser Staat im Alltag funktioniert. Daran arbeite ich jeden Tag.
Lebendige Wohnquartiere
Auch in Zukunft muss das Leben bezahlbar bleiben. Dafür brauchen wir bezahlbaren Wohnraum. Das Land Berlin will in Pankow daher Wohnungen für 100.000 Menschen bauen. Doch in den aktuellen Planungen fehlt, was Stadt braucht: Stadtteilzentren, Bibliotheken, Jugendorte, Sportplätze und Grün. Selbst Schulen und Kitas wurden teilweise vergessen.
Als Bürgermeisterin von Pankow halte ich gegen die Pläne des Senats: Wir dürfen keine gesichtslosen Schlafstädte schaffen! Wir brauchen lebendige Wohnviertel, wo Menschen einander begegnen können und sich Geschäfte und Gastronomie ansiedeln. Das muss von Anfang an mitgeplant und in der Finanzierung enthalten sein. Sonst macht Pankow da nicht mit.
Warum das zählt:
Um uns in der Stadt wohl und sicher zu fühlen, müssen wir unsere Nachbarn kennen, ihnen trauen können und Freunde finden. Dafür braucht es Begegnung. Das ist kein „nice to have“. Es ist das Fundament, auf dem wir unser Zusammenleben bauen.

Zusammenhalt stärken
Wir leben in schwierigen Zeiten: Der Krieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie, die Veränderung der Lebenswelt durch Social Media und Künstliche Intelligenz erschüttern Gewissheiten und verunsichern. Der Bedarf an psychologischer Hilfe ist deutlich gestiegen und die Wartezeiten sind lang. Daher brauchen wir niedrigschwellige Gesprächsangebote.
Erster Anlaufpunkt sind Stadtteilzentren, in denen Menschen sich begegnen und gemeinsam etwas tun. Darum will ich die Stadtteilzentren zu Orten entwickeln, die im Alltag helfen und die Menschen in Krisen auffangen. Dort möchte ich eine niedrigschwellige psychologische Versorgung sicherstellen.
Warum das zählt:
Stadtteilzentren, die im Alltag als Orte eingeführt sind, die Hilfe bieten, sind auch im Krisenfall als Anlaufpunkte bekannt. Wir wissen, dass Stadtteile dann stabil sind und Menschen mit Krisen zurechtkommen, wenn es Orte gibt, an denen sich Menschen begegnen.

Zukunft sichern
Als Bürgermeisterin von Pankow arbeite ich heute schon daran, Pankow fit zu machen für die Zukunft. Im Norden Pankows soll ein neues Gewerbegebiet an der A 10 entstehen. Ich setze mich dafür ein, dass darin ein Erneuerbare-Energien-Park enthalten ist, der die dort schon vorhandenen Windräder ergänzt mit weiteren. Auch Photovoltaik soll möglich sein.
Damit könnten wir zehntausende Haushalt mit Strom versorgen. Mit den Einnahmen aus der Pacht für die Anlagen kann der Bezirk Projekte finanzieren. Viele Kommunen haben so erfolgreich ihren Haushalt stabilisiert. Das ist Klimaschutz vor Ort, der den Bezirk handlungsfähig macht.
Daran will ich die Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligen. Mindestens ein Windrad soll Bürgerenergieanlage werden: z.B. als Genossenschaft betrieben. So können die Menschen auch finanziell von den Windkraftanlagen profitieren.
Warum das zählt:
Weil Zukunft nur funktioniert, wenn Menschen mitmachen. Wir bauen Zukunft, um künftig mehr Zukunft bauen zu können.
Zusammenfinden
Wir leben in einer Zeit, die stark von Zugehörigkeit geprägt ist. Social Media ist auf Bestätigung trainiert und es trainiert uns, immer wieder nach Bestätigung zu suchen. Das mag sich lange gut anfühlen. Doch wir verlieren unsere Fähigkeit zum Diskurs. Und verlernen, andere Erfahrungen und Perspektiven zu erleben.
Als Bürgermeisterin von Pankow habe ich den Rathaus-Salon eingeführt. Wir sprechen in den Salons über Ostberlin. Erinnerungen. Gegenwart. Biografisches Erleben ist immer einzigartig und es ermöglicht einen Austausch ohne Bewertung, ein Kennenlernen und Zuhören, das Aushalten anderer Meinungen.
Mein Kurs für Pankow: umsetzen!
Nicht meckern, sondern machen. Das ist mein Motto, auch wenn das Klappern zum Geschäft gehört. Wir Bezirksbürgermeisterinnen kommen leider nicht umhin, den Senat immer wieder an seine Pflichten zu erinnern. Doch das reicht nicht. Ich liefere Lösungen und einen Weg, wie wir gestalten, statt nur zu verwalten.