Mariahilfer Straße in Wien Wikipedia/Gugerell CCO

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Pressemitteilung: Eine Begegnungszone am S-Bahnhof Pankow

5.12.2019. Grüne und Linke wünschen sich eine Begegnungszone auf dem Garbatyplatz am S-Bahnhof Pankow. Auf der kommenden BVV am Mittwoch reichen die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Linken einen gemeinsamen Antrag ein, der das Bezirksamt auffordert, eine Machbarkeitsstudie dazu durchzuführen.

In Begegnungszonen sind alle Verkehrsteilnehmer*innen gleichberechtigt. Daraus folgt eine maximale Geschwindigkeit von Tempo 20 oder 30. Das ist in Deutschland bisher nicht rechtlich festgelegt, da sich hierzulande die Verkehrswende und damit auch Begegnungszonen noch in der Experimentierphase befinden.

Doch auch ohne Geschwindigkeitsbegrenzung funktionieren Begegnungszonen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Cordelia Koch erläutert: „Weil eine LKW-Fahrerin damit rechnen muss, dass ein Fahrrad oder Fußgänger ganz selbstverständlich ihren Weg kreuzen, muss sie langsamer und achtsamer fahren. Fahrspuren oder auch Vorrechte für einzelne Verkehrsteilnehmer gibt es nicht – die Straße ist nicht mehr länger dem Auto vorbehalten, sie gehört allen!“

Begegnungszonen haben in Berlin einen schlechten Ruf. Anwohner*innen in der Bergmannstraße in Kreuzberg und in der Maaßenstraße in Schöneberg sind nicht zufrieden mit den dortigen Zonen. Allerdings zeigte eine Umfrage in der Maaßenstraße, dass sich die Anwohner*innen vor allem über Verhalten ärgerten, was nicht unmittelbar in Zusammenhang mit der Begegnungszone steht, sondern überall in Berlin ein Ärgernis ist wie etwa Regelverstöße der Verkehrsteilnehmer*innen und Müll. Die Bergmannstraße befindet sich noch in der Testphase. Hier beschwerten sich Anwohner*innen vor allem über die Parklets, die nachts lärmende Tourist*innen anziehen. Dort wird nun ein neues Konzept geprüft.

In der Schweiz und in Österreich sind Begegnungszonen hingegen schon seit längerem etablierte Instrumente, um Geschäfts- und Wohnstraßen attraktiver zu machen. Schon in den 1990 Jahren begann man in der Schweiz mit damals als Flanierstraßen bezeichneten Zonen zu experimentieren. Seither wurden hunderte solcher Zonen in Städten und Dörfern eingerichtet. Auch in Frankreich und Belgien gibt es inzwischen Begegnungszonen.

Einen echten Bahnhofsvorplatz

Aus Sicht der Grünen eignet sich der Garbatyplatz ideal für die Einrichtung einer Begegnungszone. In jedem Fall muss dort etwas geschehen. Denn der S-Bahnhof Pankow ist einer der belebtesten Umsteigeorte im Bezirk. Gleichwohl fehlt dem Platz jede Aufenthaltsqualität.

Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin Almuth Tharan erläutert: “Aktuell ist die Straße sehr breit. Die Fußgänger müssen Umwege laufen, um vom Bahnhof kommend den gegenüberliegenden Supermarkt und die anderen Angebote zu erreichen. Ein echter Bahnhofsvorplatz wäre sinnvoll, zumal so das schöne Bahnhofsgebäude mehr zur Geltung käme und der Platz an Wert gewinnen würde. Insofern geht es am Garbatyplatz darum, einen Platz und die dazugehörige Aufenthaltsqualität überhaupt erst zu schaffen.”

Verkehrswende heißt öffentlichen Raum sichtbar ändern

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Cordelia Koch weist darauf hin, dass die Situation am Garbatyplatz eine andere ist als in der Bergmannstraße: „Parklets ersetzen Parkplätze. So wird ein Zugewinn an Aufenthaltsqualität für die Menschen erreicht, die sich nicht mehr zwischen parkenden Autos durchschlängeln müssen, die Sicht für Fußgänger*innen wird erleichtert und damit auch die Verkehrssicherheit. In Wien habe ich gesehen, dass Parklets tatsächlich die Lebensqualität der Menschen erhöhen können, indem sie den ruhenden Verkehr beseitigen. Aber am Garbatyplatz geht es nicht um den ruhenden Verkehr, sondern um die Umverteilung des Raums für den fließenden Verkehr.“ Wie genau die Begegnungszone am Garbatyplatz aussehen könnte, wird erst nach der Machbarkeitsstudie konkretisiert werden.

Jenseits der derzeit chaotischen Situation für Fußgänger*innen am Garbatyplatz sehen die Grünen Begegnungszonen auch in dem größeren Zusammenhang einer grundsätzlichen Verkehrswende. „Alle Erfahrungen zeigen, dass der öffentliche Raum sichtbar verändert werden muss, da sich sonst das Verhalten der VerkehrsteilnehmerInnen nicht ändert“, erläutert Koch. „Unser Antrag hat die „Verkehrswende“ zum Ziel; also eine andere Verteilung und Nutzung des öffentlichen Raums. Motorkraft und der Fluss des KfZ-Verkehrs ist nicht mehr primäres Ziel der Verkehrsplanung. Zu betrachten ist vielmehr die Zahl der Nutzer*innen und ihr “Klimafußabdruck”. Der des Fußgängers ist kleiner als der des Radfahrers…. und so weiter mit ÖPNV bis zum privaten Auto. Verkehrsplanung muss es den Menschen leicht machen, einen kleinen Klimafußabdruck zu produzieren.“

Den Antragstext zum Garbatyplatz finden Sie hier.

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